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Adoption & Pflegschaft

Ein fremdes Kind annehmen

Wer ungewollt kinderlos bleibt, denkt irgendwann an Adoption oder ein Pflegekind. Beides muss gründlich überlegt sein. Denn es verlangt Eltern einiges ab.

Erst Kinderlosigkeit verarbeiten

Die meisten Paare, die ein Kind adoptieren oder aufnehmen wollen, können keine eigene Nachkommen zeugen. Viele machen sich jedoch nicht klar: Ein Adoptiv- oder Pflegekind muss mehr sein als eine Lösung für den unerfüllten Babywunsch. Vor einer Adoption oder Pflegschaft muss das Paar die eigene Kinderlosigkeit bewältigt haben, betonen Experten. Ein angenommenes Kind ist kein Ersatz für ein leibliches und nicht mit ihm vergleichbar. Es ist ein Junge oder ein Mädchen mit einer eigenen Geschichte und Persönlichkeit. Damit müssen die Eltern sich auseinandersetzen. Haben sie ihren versagt gebliebene Kinderwunsch nicht ausreichend verarbeitet, übertragen die Eltern ihre Motive möglicherweise unbewusst auf das Adoptiv- oder Pflegekind. Über ihrer Beziehung zum Kleinen schwebt dann immer die Traurigkeit über die Kinderlosigkeit. Das kann ein angenommenes Kind zutiefst verunsichern und unfähig machen, Bindungen einzugehen. Erster Ausweg Adoption ist daher ein fataler Gedanke, letzter Ausweg Pflegekind erst recht.

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Adoption: Mehr Interessenten als Kinder

Der Weg zu einer Adoption ist mühsamer, als viele glauben. Manche Paare warten 6-7 Jahre und mehr. Denn auf ein zur Adoption freigegebenes Kind kommen in Deutschland im Schnitt 13 Bewerber. Die niedrige Geburtenrate wirkt sich auch auf Adoptionen aus: Die Chancen, einen Säugling aufnehmen zu können, ist eher gering. Viele versuchen daher ein Baby im Ausland zu adoptieren. Mehr Paare gehen allerdings in andere Länder, weil sie in Deutschland wegen ihres Alters kein Kind mehr annehmen können. Zwar gibt es kein gesetzliches Höchstalter, de facto bekommt ein Paar über 40 Jahre aber keinen Säugling zugesprochen und ein Single schon gar nicht. All zu jung dürfen Adoptiveltern jedoch auch nicht sein – laut Gesetz hat ein Ehepartner mindestens 25 und der andere mindestens 21 Jahre alt zu sein. Grundsätzlich muss ein Paar nicht verheiratet sein, aber ein Trauschein steigert die Adoptionsaussichten, weil die Familie rechtlich und finanziell besser abgesichert ist. Ist diese Hürde genommen, entscheidet das Jugendamt über die Eignung. Dazu führen die Sozialarbeiter mehre Gespräche mit den Bewerbern, auch zu sehr persönlichen Themen und machen Hausbesuche.

Ein Kind aus dem Ausland holen

Etwa ein Drittel aller deutschen Adoptivkinder stammen aus dem Ausland. So ein Schritt will wohl überlegt sein. Die Adoption eines Kindes in ein anderes Land oder einen Kulturkreis birgt spezielle Probleme. Oft ist über die Geschichte des Kindes und seine bisherige Entwicklung wenig oder gar nichts bekannt. Wer im Ausland ein Kind adoptieren will, erhält bei den örtlichen Jugendämtern und den zentralen Adoptionsstellen der Landesjugendämter Kontaktadressen von seriösen Organisationen. Kommerzielle Vermittlungsagenturen sind in Deutschland verboten. Es gibt aber auch Paare, die auf eigene Faust im Ausland ein Kind adoptieren. Solche Privatadoptionen sind möglich, doch Vorsicht: Geschäftstüchtige Personen und Organisationen nutzen die Situation oft aus.

Pflegekind – eine ganz besondere Herausforderung

Pflegeeltern brauchen sehr gutes Rüstzeug: Sie müssen starken Belastungen gewachsen sein, sich sehr einfühlen können und das Kind wirklich verstehen wollen. Fast alle Pflegekinder haben Schlimmes erlebt und leiden unter einem psychischen Trauma. Die Jugendämter suchen sowohl nach temporären, als auch dauerhaften Bleiben für Kinder. Jedes Jahr werden ungefähr 11.000 Kinder und Jugendliche von Pflegeeltern aufgenommen; rund 48.000 Kinder leben hierzulande in Pflegefamilien – bei Paaren und Alleinstehenden. Anders als bei Adoptionen behalten die leiblichen Eltern das Recht zum Kontakt und Umgang mit ihren Kindern, in vielen Fällen auch das Sorgerecht. Eine Situation, die mögliche Reibungspunkte liefert. Dazwischen fungiert das Jugendamt als Anwalt des Kindes; die Pflegeeltern schließen einen Vertrag mit ihm. In regelmäßigen Hilfeplankonferenzen besprechen Eltern und Sozialarbeiter des Jugendamtes den Familienalltag und auftretende Konflikte. Experten empfehlen außerdem den kontinuierlichen Austausch mit anderen Pflegeeltern. Finanziell werden Pflegeeltern mit Unterhalts- und Erziehungsgelder unterstützt. Die sind nach dem Alter der Kinder und den Anforderungen gestaffelt.


Quelle: Nach Informationen von Pro Familia, adoption.de, adoption-pflege.de, dem Caritas-Verband und Elisabeth Lutter: Ohne Herkunft keine Zukunft, Bundesverband der Österreichischen Pflege- und Adoptivelternvereine 1999
Autor: Martina Janning
Stand: Jul 4, 2008


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